Max über das Gefühl, anders zu sein: Einige Überlegungen.

ThinkAut 1

Der junge Mann behauptet, dass er keine Empathie hat und es ihm daher leicht gefallen wäre eine Tankstelle zu überfallen.

Ich hab mir das Video jetzt angesehen.
Also irgendwie bin ich jetzt echt platt, ich schreibs mal frei von der Leber weg. Der verhält sich so irrational und unlogisch, wenn auch – zumindest in dem Video – gegenüber den Zuschauern hier anscheinend ehrlich. (Mit Einschränkung ehrlich: Seine Freundin wusste ja nichts davon…)

  • Empathielosigkeit ist NICHT typisch Asperger. Und auch nicht mangelndes Unrechtsbewusstsein. Wie er selbst richtig sagt, sind Autisten verschieden. Aber sie sind sicher eins nicht: Skrupelos. Asperger ist keine Persönlichkeitsstörung! Es ist eine Reizfilter-Angelegenheit, die – als Nebeneffekt -viele andere Probleme nach sich ziehen kann, insbesondere wenn man nix davon weiß und wider die eigene Natur lebt: Ängste, Reizüberflutung und Meltdown (davon spricht er überhaupt nicht) und eine gewisse Orientierungslosigkeit -sprich das Gefühl auf dem falschen Planeten gelandet zu ein…

Er ist aber von Empathielosigkeit individuell betroffen, nicht als Autist. Und weil er später drauf zu sprechen kommt und sagt: Es hat Vorteile empathielos zu sein, wenn man als Autist Auftragskiller ist: Nein! Auftragskiller sind Psychopathen, die haben keine Skrupel! Mag sein, dass ein Asperger Autist auch mal im Affekt – wie übrigens jeder Mensch – oder bei Bedrohung so austicken kann, dass er irgendwas verbrecherisches in dem Ausmaß tut, aber dann SICHER nicht dezidiert geplant und ausgetüftelt, ohne Rücksicht auf Verluste! Wie kann er sowas Irrationales erzählen???

Auch Forscher wie Henry Markram und Co lehnen die pauschale Behauptung, dass Autisten keine Empathie haben, als Missverständnis ab! Zurecht! Wer wirklich wissen will, was Asperger ist, der kann bei Henry Markram nachlesen, einem Hirnforscher… der Mann hat einen Sohn mit Asperger und beobachtet ihn seit Jahren!

Ich sage immer: Aspies WIRKEN empathielos, sind es aber nicht. NTs können sich 1. schließlich auch nicht in uns hineinversetzen. Und 2. wirkt es einfach nur empathielos, wenn man sofort lösungsorientiert reagiert und einen 20 Punkte-Plan zur Behebung eines Problems ausarbeitet, wenn einem einer ein Problem erzählt, statt so „Knuddelknuddel, oh Du Armer!“

  • Das mit der Dealer-Karriere, Tankstellenüberfall usw. ist ja wohl sowas von NULL Asperger. So ein Verhalten ist irrational und unlogisch. Man kann jetzt echt nicht die vermeintliche „autistische Empathielosigkeit“ dafür „verantwortlich“ machen, wenn man sich so irrational verhält!
  • Das Anlügen von nahestehenden Menschen tun Aspies eigentlich gar nicht. Wie kann es sein, dass seine Freundin das alles nicht weiß und auch nicht weiß, dass er hier gerade ein Video aufnimmt…

Das kann man nicht aushalten, weil Lügen ist irrational: Lügen führt zu mehr Lügen und zu Stress. Warum sollte ich mir das antun, solange ich nicht in einer lebensbedrohlichen Notlage bin und kurz mal was „erfinden“ muss, um nicht gleich in Gefahr durch einen Verrückten zu geraten…

  • Mobbing? Was ich auch irgendwie sehr einzelschicksalmässig finde ist, dass er andere gemobbt hat, statt selbst gemobbt worden zu sein. Das muss jetzt nicht heißen, dass man als Aspie immer nur gemobbt wird, aber die anderen haben oft kein Verständnis, wenn man lieber nerdig zuhause sitzt und liest, statt auf Parties zu gehen. Autisten ziehen sich total zurück und kapieren zuerst überhaupt nicht, warum andere das wütend macht. Es wird oft als schüchtern oder arrogant bewertet, dabei hat es in erster Linie mit Reizüberflutung zu tun, und weil man sich als Aspie-Nerd gerne mit seinem eigenen Kram befassen will: Lesen, Forschen, Basteln….

Meistens sind Aspies eher „Spießer“ sag ich mal, die eben gerade eines nicht tun, was andere tun: Party, Drogen usw… und auch deswegen manchmal keine Freunde haben. Gut, vielleicht versuchen einige sich anzupassen, um nicht so alleine zu sein, aber das führt halt zu Reizüberflutung ohne Ende.
Ping Pong könnte ich Grobmotorikerin nie spielen. Alles was mit Schnelligkeit und Treffsicherheit einhergeht, ist echt nichts für uns Tollpatsche!
Jeder vernünftige Mensch hat nicht 50 Freunde, sondern 2,3 egal ob Autist oder nicht!

Und zu den Vorteilen/Nachteilen einer Diagnose:

Das kostenlose Bahnfahren ist KEIN wirklicher Vorteil, der etwas mit Autismus an sich zu tun hat. Das bekommt man auch bei GDB 50 nur mit Sonderzeichen, nämlich wenn man zusätzlich gehbehindert ist usw. Wegen Asperger allein bekommt man das nicht.

Die Vorteile einer Diagnose liegen ganz klar auf der Hand: Man kann sich fokussiert auf etwas einlassen und in einem Wissensgebiet ein nahezu lexikalisches Wissen vorlegen, man hat eine gewisse Sprachfertigkeit, man kann beruflich auch einiges erreichen – wurde man gefördert – WEIL man diese intrinsische Motivation an den Tag legt. Man hat vielleicht was „Unnahbares“, aber man hat auch die Fähigkeit logisch und analytisch schnell Teilaspekte des großen Ganzen zu sehen, die anderen vielleicht verborgen bleiben usw. Man kann neue Wege und Entwicklungen vorantrieben – all sowas! Und mit den Jahren kann man auch lernen mit anderen besser und verständlicher zu kommunizieren!

Ja, es hat Vorteile Asperger Autist/in zu sein, neben einigen Herausforderungen und Schwierigkeiten für die ein Nachteilsausgleich sicher fair ist – besonders wenn man nie gefördert wurde – aber die ergeben sich aus der Natur der Sache und nicht aus finanziellem Entgegenkommen im öffentlichen Nahverkehr!


Ich würde gerne wissen, wo er seine Diagnose bekommen hat. Vielleicht mag er ja da noch was zu sagen. Bei der Frage wie er auf Autismus kam fing er eher an von den Drogen zu erzählen.

Soll das Video dazu dienen, dass er strafmildernde Umstände bekommt?

One thought on “Max über das Gefühl, anders zu sein: Einige Überlegungen.

  1. „Ich habe kein einziges der typischen Diagnosekritiern, bin aber Asperger“ – sorry das ist irrational!

    Zu den offiziellen Kriterien bei Asperger gehören:
    Wahrheitsliebe, Hang zu exzessiven Spezialinteressen, Gerechtigkeitssinn, (Empathiemangel gehört nicht dazu), oftmals starres Einhalten von Regeln und Normen, Perfektionismus, Logisches Denkvermögen, motorische Ungeschicktheit, die künstlich oder seltsam wirkt, Tonfall und Wortwahl auffällig, gut entwickelte sprachliche Kompetenz aber monotone Sprachmelodie oder eine „erwachsene“ Ausdrucksweise.

    Hans Asperger sagte: „Wenn diese Eigenschaften gefördert und in die richtigen Bahnen gelenkt werden, können aus Kindern mit Asperger-Syndrom sehr gewissenhaft und genau arbeitende Angestellte, aber auch hervorragende Wissenschaftler, Erfinder oder Künstler werden.“ –
    Wieso sind dann auf einmal Leute auch „Asperger“, die oben genannte Verhaltensweisen gar nicht an den Tag legen?

    https://asperger-autismus.ch/50-positive-charaktereigenschaften-von-menschen-mit-asperger-syndrom/

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Unser schickes Logo hat der Musiker und Künstler Moritz Reichelt gestaltet. Von seiner Band „Der Plan“ ist u.a. dieser SONG hier, in dem sich sicher viele Autisten wiederfinden: Anders sein