Asperger und Beruf – meine Erlebnisse und Erfahrungen.

Autisten im Beruf und meine ganz persönlichen Ansichten und Beobachtungen zum Thema Mobbing, Talente, Scheitern und Chancen!


Zunächst eins. Oft wird sich von autistischer Seite beschwert, dass die „andere Welt“ zu wenig über Autismus weiß. Gut, aber bitte lasst mich eines einwenden: „Woher auch?“
Im Ernst, woher sollen sie wissen, dass Autismus keine Persönlichkeitsstörung ist und dass wir uns oft weder als krank und behindert ansehen? Woher sollen Mütter, die vorher noch nie was von Autismus gehört haben wirklich wissen, was ihnen mit der Diagnose ihres Kindes blüht?


Und woher sollen die Fachkräfte, auch wenn sie sich wirklich bemühen, wissen, wie unsereins wirklich empfindet? Sie können es ahnen, überlegen, Statistiken erstellen usw. Aber empfinden, das geht nicht. Wir Autisten – und da denke ich spreche ich für viele – würden es oft gerne selbst erklären!
Dass „wir“ uns mit der sogenannten „neurotypischen“ Welt oft bis ins Kleinste auseinandergesetzt haben liegt daran, dass wir es mussten, weil wir immer wieder sahen, dass ein Großteil der Menschen um uns herum vieles ganz anders tut und es „uns“ ein Rätsel war warum…klar fingen wir deswegen an nachzudenken. Und zwar viel, lange und täglich. Solange bis es fast belastend wurde so viel darüber zu grübeln.
Alles einfacher machte es die Erklärung dafür: Asperger, High functioning Autism.
Ich nenne es bewusst nicht Diagnose, sondern Erklärung!


Denn wenn man für einen Verwirrung stiftenden Zustand eine Erklärung hat, dann liegt logischerweise auch eine Lösung nahe und wenn die Lösung gefunden ist, dann kann man auf der Basis vernünftig weitermachen.
Für mich war die Lösung wie die Erlösung. Ich weiß nun, dass alles so laut und so grell ist, weil meine Reizverarbeitung so ist wie sie ist und nicht weil ich eine Zimperliese bin. Mit Sonnenbrille und Ohrstöpslen kann ich im Alltag viel kompensieren, was mir früher oft wie ein psychodelischer Fiebertraum vorkam. Denn es ist schon verwirrend, wenn allen anderen um dich herum alles „ganz normal“ vorkommt. Auch Meditation und progressive Muskelentspannung helfen „den Krach da draußen“ ganz gut auszuhalten.


Die Frage ob ich mich an meinem Arbeitsplatz überhaupt outen soll, hat mich lange beschäftigt und mir einige Zeit schlaflose Nächte bereitet. Warum? Nun, ich wollte nicht so wirken, als würde ich diese Diagnose als Ausrede für eine Extrabehandlung benutzen wollen. So, als würde ich von nun an allen damit auf den Senkel gehen, dass man mich immer so speziell oder gar wie ein rohes Ei behandeln muss, dass es allen bald zu viel wird.


Die von mir gewünschte Reaktion auf ein eventuelles „Outing“ wäre gewesen: „Ach so ist das. Asperger-Autistin. Ja, das ist ja einfach und gar kein Problem. Dann bekommst Du halt einen eigenen Raum mit angenehmen Licht und viel Ruhe, musst nicht zu lauten Betriebsfeiern kommen und wirst trotzdem nicht gemobbt, für arrogant oder unsozial befunden, weil wir ja alle wissen, dass Du das nicht bist, sondern einfach nur eine andere Reizverarbeitung hast! Prima!“
Nun, nach dem jetzigen Stand der Dinge ist es noch sehr unwahrscheinlich eine solche Reaktion zu erwarten.
Und weil dem so ist bespricht man sich mit dem inneren Erklärbär und überlegt sich schon mal lauter Rechtfertigungen und Erklärungen für viele andere vermeintliche Reaktionen, die dann auch tatsächlich eher kommen.


Eine noch viel utopischere Reaktion, von der man als Autist träumt, wäre: „Ach, herrlich! Eine Autistin mit so einem Talent und so viel intrinsischer Motivation und Hingabe für unsere Sache. Und Du willst all deine Zeit, Leidenschaft und dein Wissen für uns voll und ganz einsetzen, wie Autisten das nun mal tun? Wun-der-bar! Und weil das so ist werden auch all die Kollegen glücklich und begeistert sein mit einem so hoch-motivierten Menschen hier im Team ein einem Strang zu ziehen und in Zukunft zusammen herausragende Arbeitsergebnisse zu liefern. Mobbing und Konkurrenzdenken kennen wir hier nämlich nicht! Wann kannst Du anfangen?“
Da geht’s nämlich los. Mir ist in den Chats und Gesprächen aufgefallen, dass wirklich jeder Autist so schlimme Mobbing-Erfahrungen gemacht hat, dass allein schon deswegen einige so derartig traumatisiert und entmutigt sind, dass sie – obwohl sie einsetzbar wären – gar nicht mehr wollen. Dann lieber zuhause sitzen, mit kleinem Geld und den ganzen Tag lesen, nachdenken, sein Ding machen und vor allem eins: Seine Ruhe dabei haben!


Da wird – autodidaktisch – Fachwissen erarbeitet und angehäuft, dass manch anderer an einer Hochschule nicht vermittelt bekam und nach dem sich Forscher die Finger ablecken würden. Und das mit einer Recherche-Versiertheit, dass man fast meinen könnte: Dem Autisten bleibt nichts verborgen!
Doch, was passiert damit? All dieses Know-How und Fachwissen verpufft im Äther und ward nie wieder gesehen. Es geht uns allen verloren. Für Autisten kein Problem. Sie könne sehr gut alleine sein und sich beschäftigen. Und sich beschäftigen und beschäftigen und beschäftigen. Für sich.


Und das übrigens nicht nur in der IT-Welt. Dass dem so ist, ist ein weit gestreutes Vorurteil. Autisten können auch oft sehr gut schreiben, zeichnen, malen, organisieren, strukturieren, analysieren, kalkulieren! Und diese Ruhe hat man zuhause. Da stimmt das Licht, da sind die Reizquellen unter Kontrolle, da kann man arbeiten! Auch wenn das niemand mehr mitbekommt: Untätig ist er dennoch nicht.
Warum soll man alles geben und seine sicheren Ort verlassen, wenn der Vorgesetzte trotzdem zulässt, dass andere einen – auch wenn zu Anfang die meisten Kollegen nett sind – oft erschreckend versiert fertig machen (würden sie mal besser ihre fachlichen Kenntnisse erweitern als ihre Fertigkeit im Intrigieren), Infos vorenthalten, einen angreifen, boykottieren, sabotieren und oftmals alles daran setzen einen aus dem Betrieb zu drängen, weil sie – obwohl das häufig nur eine wirre Angstgeburt oder reine Projektion ist – meinen keine andere Wahl zu haben, um sich auf dem Weg nach oben zu behaupten.


Autisten denken tatsächlich anders. Denn Autisten finden Mobbing unlogisch. Es ist unlogisch, weil es kontraproduktiv ist und die Arbeitsprozesse nicht erleichtert. Für niemanden. Auch ganz mathematisch betrachtet: Im Magazin Wirtschaft war zu lesen, dass Mobbing Firmen jährlich Millionen von Euros Einbußen kostet. Interessant dazu der Artikel „Mobber leben gefährlich“, den man im Netz findet.
Daher ist dieser Rivalitätskampf nicht nur seelisch belastend, sondern auch unwirtschaftlich. Ein wirklich kreativer Mensch ist nicht destruktiv. Destruktivität ist immer ein Ausdruck von Angst, Mangel und Faulheit. Angst, ein anderer könnte mehr verdienen, besser sein und man würde dadurch mehr gefordert. Wenn sowas dazu führt, dass motivierte Talente bei ihrer Arbeit so gestört werden, dass sie davon krank werden und die Freude verlieren an den toxischen Arbeitsplatz zurückzukehren (Wichtig: Die Freude an der Arbeit selbst bleibt lange erhalten, denn sie ist intrinsisch), dann zahlen Unternehmer dafür bares Geld.
Da ich selbst Teamleiterin war, weiß ich wovon ich rede. Ich kenne die Zankereien unter den Mitarbeitern und ich habe Mobbing aus der „Sicht von oben“ erlebt.


Am Anfang dachte auch ich mir: „Bin ich hier im Kindergarten? Ich bin doch nicht Eure Psychologin oder Heilhilfsbetreuerin!“
Doch schlagartig wurde mir klar, dass mein Eingreifen wichtig war. Denn wenn auf einmal Mitarbeiter, die früher happy und motiviert bei der Arbeit erschienen, plötzlich ab und an eher lustlos, gestresst und sogar verwirrt wirkten, dann ist das alarmierend! Erst dachte ich, das ist eben bei den meisten Leuten so, am Anfang Euphorie und dann Schlendrian. Und dann – es würde zu viel werden das hier en detail auszuführen – hab ich verstanden, was sich in meiner Abwesenheit abspielte: Leute, die gut, schnell, freundlich und talentiert waren wurden von jenen, die diese Eigenschaften anscheinend bei sich nicht vertreten sahen, sabotiert und geärgert.


Nie, aber auch nie hat ein guter Mitarbeiter einen Schwächeren angegriffen, es waren immer die Inkompetenten, die auf die Fähigen abzielten und dabei hatte die Kompetenz noch nicht mal was mit dem erworbenen Abschluss zu tun. Ich hatte Quereinsteiger ohne Zertifikat, die so manchen mit Abschluß fachlich in den Schatten stellten.
Es war nicht immer leicht in diesen kurzen Vorstellungsrunden schnell herauszufiltern, wer mir gerade hier eine gekonntes Schauspiel bietet oder wer mir später wirklich ein echter Zugewinn für unser Unternehmen ist und ihm nicht schadet!
Mobber sind Innentäter und können einem kleinen oder mittleren Unternehmen massiven Schaden zufügen! Emotional und wirtschaftlich! Denn auch ich habe mehr Freude mit Leuten, die Spaß an der Sache haben. Die „ihr Ding“ mit uns verwirklichen, die eine Aufgabe suchen und nicht einen „Job“, um irgendwie ein bisschen Geld zu verdienen!


Bist du für jemanden ein Rivale? Nun, im Zweifelsfall ist er es für dich daher nicht! Außer dein Chef durchschaut es nicht…
Beurteilungsfehler von Führungskräften sind ein interessantes Thema. Wenn man das mal googelt finden sich einige interessante Einträge dazu, die viel Licht in die Sache bringen und entscheidend zur Verbesserung der Arbeitsplatzbedingungen beitragen.
In der Medienbranche und bei scrum-basiertem Arbeiten ist man sich dessen bewusst und man schafft flache Hierarchien. Hier würden Autisten auch gut arbeiten können. Denn es gibt eine klar geordnete Aufgabenverteilung und jeder ist als Experte in genau seinen Fachgebiet gefordert. Am Ende werden die Ergebnisse vom Team zusammengestellt und jeder darf stolz sein auf dass, was er/sie dazu beigetragen hat.
Es sind nicht, wie gesagt, immer nur die IT-Berufe, die geeignet sind. Und nicht nur immer die Routine- und Zuarbeiten. Ich sehe einige Aspies auch in Führungspositionen, wegen ihre Strukturiertheit und ihren Organisationstalent. Das zumindest war bei mir der Grund, warum ich – trotz meiner „seltsamen Art“ Verantwortung übertragen bekam.


Nun mag dem ein oder anderen das Auftreten fehlen, was man von einer Führungskraft in der Öffentlichkeit erwartet. Ich selbst sehe das so: Es schadet dem ein oder anderen nicht, wenn er da vielleicht ein wenig über seinen Schatten springt und die Freude an einem etwas gepflegterem Auftreten entwickelt. Man muss ja nicht zu einem Fashion-Victim degenerieren, aber man tut sich selbst etwas Gutes, wenn man sich um sich selbst und seinen Körper kümmert. Wenn man sich darin wohl fühlt und sich freut zu leben, sich für Dinge zu interessieren und seinen Platz in dieser Welt zu verstehen. Das ist nur so ein Gedanke, an all die Aspies hier in der Runde. Niemand soll sich verbiegen, aber man kann immer noch über sich hinauswachsen.
Ebenso mag der ein oder andere sicher bald die Frage aufwerfen wollen: „Wie kann das aber sein, dass einige Autisten so erfolgreich und berühmt sind – gerade mit ihrem Fachwissen – und andere hier als vermeintlich gescheiterte Existenzen und verkannte Genies in ihren Wohnzimmern herumdümpeln und Hartz IV beziehen?“ Das mutet doch irgendwie suspekt an, oder?


„Können die sich nicht mal zusammenreißen? Autismus als Entschuldigung, ich weiß nicht…“
Nun, ich verstehe. Daher an dieser Stelle mal eine Erklärung anstatt einer „billigen“ Entschuldigung.
Ich denke, dass die – die vielleicht nicht weltberühmt wurden, aber doch erfolgreich eine halbwegs vorzeigbare Karriere hingelegt haben – ein bisschen mehr Glück mit den Umfeld hatten, in dem sie aufwuchsen.
Und oft – und das ist mir persönlich wichtig, das herauszustellen – nicht primär als „Autist“ angesehen wurden, sondern als Persönlichkeit, nicht als Kranker, sondern als liebenswerter „schräger Vogel!“ Positives Denken im frühkindlichen Umfeld ist etwas, was man nicht unterschätzen darf. Leider nicht jedem vergönnt. Aber heilbar, wenn man es begreift!


Ich habe auch mit vielen Autisten im Alter von Mitte 30 bis Ende 40 gesprochen, die ganz erleichtert sagten: „Zum Glück wurde ich noch nicht als Kind diagnostiziert, aus mir wäre nix geworden!“ Da hat er/sie vermutlich recht und ich empfinde es ähnlich.
Wäre unsereins bereits mit 6-7 Jahren als „behindert“ stigmatisiert worden, dann hätte die Familie vielleicht eine Menge wirtschaftliche Vorteile durch den so erhaltenen Schwerbehindertenausweis bekommen, aber ich wäre in tiefe Selbstzweifel gestürzt. Einmal da unten gelandet ist es schwer wieder nach oben zu klettern! Und: Es dauert seine Zeit. Der Weg nach oben ist steinig und steil. Deswegen sind unter Autisten auch so viele „Late Bloomer“, die erst mal Jahre brauchten um ihren Blick auf die Dinge und sich selbst wieder geradezurücken.


Und mal ehrlich: Wer sich selbst nichts zutraut, dem trauen auch andere wenig zu! Es passiert im Beruf leider so gut wie nie, dass ein Chef sagt: „Du kannst mehr als Du denkst und darum bezahle ich Dir auch mehr!“ Und so gerät man leicht in den Strudel der Ausbeutung in dem sich auch so viele Autisten schon wiederfanden. Unnötig!
Ein gesunder (!) Autist hingegen steht im Idealfall vielen Widrigkeiten des Lebens mit heiterer Gelassenheit gegenüber und sorgt gut für sich selbst. Er macht was aus dem, was er drauf hat und findet immer wieder einen Weg seine Vision durchzusetzen. Wenn er das zuhause nie gelernt hat, wenn er schon von klein auf einen Kampf führen musste, dann muss er das später aufholen, und wehe dem, der dann nicht die Kraft, die Freunde, die Ausdauer dazu hat!


Mit anderen Worten: Es ist so wichtig, dass sich das Umfeld, Freunde und Familie – am besten von klein auf – mehr auf die Talente konzentrieren, als auf die eventuellen Probleme. Und wer in einem eher positiven, gesunden, kraftspendenen Umfeld aufwuchs, der kann sich auch selbst gut einschätzen, ansatt zu sehr zu zweifeln. Soetwas kann Depressionen auslösen.
Wer weiß was Liebe ist, der weiß, was er kann, was er nicht so gut kann und konzentriert sich auf die wesentlichen Dinge im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Wer hingegen von Negativität umgeben war, der muss sich das später erarbeiten, insofern er das Muster überhaupt durchschaut
Allein das zu schreiben klingt schon so ermüdend. Aber um doch noch etwas Ermutigendes an dieser Stelle einzuwerfen: Viele Karrieren beginnen heute weitaus später und das wird auch in vielen Branchen akzeptiert! So kann man immer wieder von Leuten lesen, die erst mit 40 richtig los gestartet sind. Wer mit wachen Blick durch die Welt geht findet zahllose Beispiele für Menschen, die Lebensmut geben!


So ist es. Für Probleme gibt es Lösungen. Probleme gibt es tatsächlich, aber wenn man diese als Herausforderung sieht, dann kann man sie mit etwas Humor auch in den Griff bekommen und ein autistisches Kind mit einem gesunden (!) Selbstwertgefühl erziehen! Hier unterscheidet sich ja der Autist stark vom Narzissten: Der Narzisst faket Können und Fertigkeiten bis hin zum Betrug, um möglichst zu gefallen und den Schein zu bewahren – während der Autist sein tatsächlich vorhandenes Talent oft für sich behält und alles tut, um möglichst seine Ruhe zu bewahren, auch wenn das bedeutet, dass er kaum noch soziale Kontakte hat.
Der Narzisst ist immer derjenige, der zuerst in den Konkurrenzkampf tritt, anstatt an sich selbst zu arbeiten, seinen eigenen Platz zu erkennen und den Vergleich sein zu lassen. Der Autist ist dem Narzissten vielleicht fachlich überlegen, unterliegt ihm aber im Lügen, Betrügen und Intrigieren gnadenlos.
Das klingt nach der „ewigen Opferrolle“ in der sich Otto Normalautist anscheinend immer wieder befindet. Das hat was, wogegen sich innerlich viele Menschen sträuben. Was irgendwie auf Ablehnung stößt. Nun, auch hier habe ich einen Einwand oder eine Erklärung.


Was in „uns“ vielleicht manchmal diese Missbehagen schürt ist die teilweise schwierige Unterscheidung zwischen echtem und gespieltem Opfertum.
Um das zu unterscheiden müssen wir tief in uns selbst blicken und in unser Unterbewusstsein:
Es gibt jene Menschen, die sich sehr gerne und schon hauptberuflich (!) in dieser Opferrolle befinden, und sich da – wo sie wissen, dass man damit auf Mitgefühl stößt – auch nur ungern herausbegeben.
Alle Lösungen, die man diesem toxischen Typus anbietet lehnen er ab und erheischt damit immer wieder und – bei besonders geduldigen Menschen und über Jahre unsere Aufmerksamkeit, ohne – wie man später merkt – wirklich etwas ändern zu wollen. Das sind die, die manipulieren und oft selbst eher Täter sind, die sich zum Opfer stilisieren, was ich als ein Meisterstück der Intrige bezeichnen möchte. Gegen die wollen wir uns eigentlich schützen. Wir werden sonst selbst Opfer dieses Spiels.


Wir dürfen sie aber nicht in der Schnelllebigkeit unseres Daseins mit den anderen verwechseln:
Das sind die echten Opfer. Die, die tatsächlich unsere Hilfe brauchen – und sie auch annehmen – weil sie wirklich wieder auf die Beine kommen wollen und nach echten Lösungen suchen. Die, die zurecht traurig und enttäuscht sind, aber die trotzdem irgendwann wieder vorankommen möchten. Die, die an den Erlebnissen reifen und wachsen und daraus lernen. Die dankbar sind für eine neue Chance in einem besseren Umfeld, zu dem sie bereit sind jeden Beitrag zu leisten, damit es erhalten und lebenswert bleibt!
Die Lösung liegt immer irgendwie dazwischen. Weder Täter noch Opfer.


Autisten, die einmal zu oft erlebt haben, dass sie für eine besondere Fähigkeit gemobbt und angefeindet wurde, neigen dazu ihre Begabungen herunterzuspielen und zu verstecken. Understatement ist nice! Aber gesünder ist es selbstbewusst zu dem zu stehen, was man kann und sich auch nicht verunsichern zu lassen! Lasst Dir nicht einreden, Du bist ein „Angeber“, nur weil Du weißt, dass Du gut zeichnen kannst. Denn sonst hinderst Du dich selbst daran dein Talent so anzuwenden, dass Du deine Existenz davon sichern kannst!
Fazit: Ja, ich habe mich geoutet und werde es auch weiterhin tun.
Ich wurde auch deswegen als „Opfer“ hingestellt, unterschätzt und belächelt. Auch hinter meinem Rücken. Ich höre es oft trotzdem, denn ich hab ein gutes Gehör.
Mein anscheinend überdurchschnittlicher Optimismus wurde mir als Naivität und Dümmlichkeit ausgelegt, meine Art offen zum meinem durchaus erlebten Scheitern (ich nenne es gescheitern) an Unwegigkeiten als Schwäche. Meine Freude über Erfolge als Angeberei.


So what? Nicht alle Welt teilt diese Meinung. Habt ihr nicht auch ständig das Gefühl das alles hier besteht aus unzähligen parallelen Universen? Eben. Und schon im Nachbar-Universum herrscht ein ganz anderes Klima. Eines, das viel gesünder für Dich ist. Das Geheimnis besteht darin sich nicht perfekt anzupassen, sondern den richtigen Platz zu finden!
Im Grunde muss man in dieser Welt sehr genau selbst wissen, wer man ist und was man kann. Und wie ich es auch drehe und wende ich komme nicht umhin mir einzugestehen: Ja, ich bin Autistin. Aber nicht nur!!!!
Auch, wenn die Welt da draußen mir dann immer noch und immer wieder mit den bekannten Vorurteilen begegnet, die mich in gewissen Kreisen wohl wie einen verwirrten Außenseiter oder Nichtsblicker dastehen lassen, ich bereue nicht es getan zu haben.


Ja, und dieses Outing wurde auch schon gegen mich verwendet. Ich hab erlebt, dass Leute sich von mir deswegen abgewandt haben und mich für „bekloppt“ erklärt haben, weil ich doch gar keine Autistin sein kann, wo ich doch so anders bis als Rainman, obwohl ich mich selbst in Rainman wiedererkennen kann, aber von Glück sprechen möchte am Leben anders teilnehmen zu können.
Ja, ich hab mir extrem viel Irrsinn anhören müssen und auch falsche Betroffenheit, unnötiges Mitleid und schrecklich arrogante „gute Tipps und Ratschläge“ von Leuten, die selbst ihr Leben nicht im Griff haben.
Aber auch Support, Verständnis, Hilfe, Offenheit!


Und immer wieder hab ich mir gesagt: „Woher sollen sie es denn auch wissen?“
Was auch dazu kommt, muss man fairerweise sagen, ist eine ganz erstaunliche Verzauberung und verzückte Verklärung des ganzen Themas. So nannte man wohl früher Autisten „die heiligen Narren!“
Wenn ich aber ehrlich sein soll, dann bringt mich das wenigstens nicht in die Notlage mich rechtfertigen und beweisen zu müssen und mich vor Beurteilungsfehlern von Chefs zu fürchten. Da wo einen viel zugetraut wird – manchmal sogar mehr als man wirklich bis dahin noch kann – kann man wirklich über sich selbst noch hinauswachsen.


An der Stelle kann ich nur alle Nicht-Autisten, die das so rührend liebevoll und groß bewerten, aufrufen, diesen Zauber auch in sich selbst zu finden.
Ich schreiben nicht NT’s – denn ich mag den Ausdruck nicht. Ich hab auch nichts gegen Menschen, die keine Autisten sind, sie sind nicht meine Feinde. Die, vor denen ich mich in Acht nehme sind jene seelisch kranken Menschen mit toxischen Störungen und manipulativer Natur, Menschen, die emotionale Erpressung anwenden und die ihren zerstörerischen Instinkt hinter gefälligen Worten und einem achso freundlichen Grinsen verbergen.


Menschen, die leider aus unerfindlichen Gründen keine positive Sicht auf die Dinge haben und Menschen, die sich stets vergleichen. Der „gesunde“ NT ist auch kein Mensch mit einer bedenklichen Persönlichkeitsstörung. Wie drückte es neulich einer aus: „Two different operating -systems…“ – oder auch ein schöner Satz: „Ein Nilpferd ist kein behindertes Nashorn!“
Wovor ich mich übrigens am allermeisten – vor diesem Outing – gefürchtet habe: Davor, welche Verluste das für mich bedeuten könnte. Und ich habe diese Verluste auch erlebt. Und sie haben auch – im ersten Moment geschmerzt.
Doch nach der Resilienz kann ich nur noch sagen: Jeder dieser vermeintlichen Verluste ist heute für mich ein GEWINN!


Denn ich habe auch genau das andere erlebt! Authentizität lohnt sich.
Das viele Verständnis, die Offenheit, das Interesse und Support und das von völlig unerwarteter Stelle.
Ich habe dadurch ganz andere Menschen kennengelernt. Erfolgreiche, interessante und intelligente Menschen, die etwas freier im Denken sind, als viele mit denen ich früher mal zu tun hatte.
Ich habe Menschen getroffen, die andere so annehmen wie sie sind und nicht ständig eingreifen, meckern und abwerten! Weniger oberflächliche Menschen! Lustige Menschen, die sich für Frieden und Fröhlichkeit einsetzen. Kreative Menschen, die ihre Visionen leben! Und deswegen war es das alles auch wert! Und ich bin unendlich dankbar dafür!

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3 thoughts on “Asperger und Beruf – meine Erlebnisse und Erfahrungen.

  1. Hallo, mein Sohn ist Asperger-Autist und dein Artikel hat uns sehr geholfen zu begreifen, was den Jungen in der Zukunft wohl erwarten wird. Er ist intelligent und achtsam, aber wirkt auf uns manchmal etwas unselbstständig. Ich darf, glaube ich inzwischen, als Mutter nicht so viele meiner Sorgen ständig mit mir herumtragen. Das Leben wird sicher nicht immer einfach für ihn, aber mit Humor und einer positiven Lebensphilsophie kann man sicher trotzdem vieles erreichen.

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