Guten Tag! Heute mal was zum Thema Empathie! Angeblich sind Autisten gefühlsblind und unempathisch. Hab ich auch schon zu hören bekommen! Dazu folgendes: 

Das Problem ist nicht, dass Autisten weniger empathisch sind.

Ich würde sogar sagen, dass das Gegenteil der Fall ist.

Sie sind es im großen Maße und darum, weil Autisten so besonders sensibel für „Schwingungen“ in der nächsten Umgebung sind, schalten sie auch oft in einer Gefühlsflut komplett ab. Es wird alles mitempfunden und zwar in einer derartigen Intensität, dass es zu einem Overload führen kann, wenn man sich nicht gut kennt und rechtzeitig abgrenzt!

Meine Freunde nennen das dann “den Modus”. Anja ist „in ihrem Modus“.

Übersetzt: “Anja nimmt mal wieder zu viel auf einmal wahr und schaltet auf „stand by’”. Das ist, wenn ich irgendwie nur noch geradeaus und ins Leere starre, weil ich gerade einem Gedanken so sehr nachhänge, dass ich rundum alles vergesse! 

Sowas ist aber gut, weil dann kommen mir oft die besten Ideen für Texte, Bilder und Gestaltungen.

Ich bin der Ansicht  zwischen Autisten und sogenannten NT’s (ich mag das Wort eigentlich nicht) besteht  ein Mangel an emotionaler Gegenseitigkeit. Ich kenne nämlich Nichtautisten,  die  sich umgekehrt auch  kein bisschen in Autisten reinversetzen können. Sonst würden sie nicht so vieles falsch verstehen und werten! Selbst sogenannte Experten.

Ganz ehrlich? Ich würde fast noch einen Schritt weiter gehen und mich so weit vor wagen zu sagen:  Es gibt weltweit so gut wie  keinen einzigen Menschen der wahrhaft  “sozial kompetent” zu nennen wäre. Alle hadern  mehr oder weniger mit dem Phänomen Mitmensch, egal ob Autist oder nicht. 

Es sind die Ausnahmen, die soziale Kompetenz an den Tag legen. Und wirkliches  Mitgefühl ist ein wesentlicher Faktor für friedliches Miteinander. Fast alle misstrauen, streiten, bekriegen sich…  Außer Jesus, dem Dalai Lama oder Einhörner. 🙂

Das beste Beispiel für Empathie-Mangel seitens Nichtautisten  gegenüber Aspies sind einzelne Mitglieder meiner eigenen Familie und Personen von Anno Dunnemal, die mir nur noch trübe in Erinnerung sind.

Einige  achso „Normale oder  sich dafür Haltende“ ticken nach dem immerselben Muster: Sobald ein anderer  gewisse Erwartungen nicht erfüllt folgen Verurteilungen. Wenn man also lange schreiben und lesen möchte, ist man “rücksichtslos”, weil man sich nicht um die anderen kümmert in dieser Zeit.  Und „empathielos“ ist man in der Folge, wenn man das richtig stellen möchte.

Derartigen Vorwürfen sind viele Aspies, die ich kenne immer wieder ausgesetzt. Von Partnern, Familie und Kollegen.

Ein empathischer NT würde meines Erachtens an der Stelle sagen: “Ach, jetzt biste gerade ganz in deinem Thema, dass dich so interessiert, da lass ich Dich mal schön in Ruhe und wünsche viel Spaß! Meld Dich doch, wenn Du wieder Zeit hast, da würde ich mich sehr sehr freuen!!!” (Was man dann auch gerne tut!)

Stattdessen wird der Spieß umgedreht und es heißt, der Aspie wäre nicht empathisch, weil er “vor lauter Beschäftigung mit seiner Sache”, gar nicht mitbekommen würde, dass der andere jetzt aber ganz andere Vorstellungen von Gemeinsamkeit hat.

Die  soll man übrigens oft auch  erraten, dieses Bedürfnis und diese Vorstellungen..

Ich wüsste nicht, wann es mal übermäßig häufig vorkam, dann irgendjemand “erraten” hätte, dass es mir gerade nicht gut geht oder ich lieber schreiben, zeichnen oder kreativ  sein  würde. Buh.

Besser ist doch immer, wenn man das kommuniziert:

„Mir geht es heute wirlich  nicht so gut, ich brauche deine Hilfe um eine Lösung zu finden, bzw.  können wir was Schönes zusammen unternehmen, zur Ablenkung?“oder“Mir geht es heute  nicht gut, kann ich ein bisschen alleine sein und schreiben. Das hilft mir nämlich!“

Wer würde da als Autist  eiskalt „Nein!“ sagen? Ich nicht!

Und noch absurder. Dann sagt man: “Es geht mir nicht gut” und in der Folge geht das “achso empathische“ neurotypische, sich-für- geistig- gesund-befindende-und-mich-für-wahrnehmungsgestört-und-schwerbehindert-haltende  Gegenüber davon aus, dass man womöglich sogar simuliert. Ich hatte eine solche Tante. Deren Spezialität war es immer für alles, was man tat völlig andere Beweggründe zu suchen und zu finden und einem auch noch hemmungslos vorzuhalten! Heute weiß ich, dass das Unterstellen niedriger Instinkte oft auf Projektion beruht, früher hat mich das unglaublich verunsichert!

Noch „schlimmer“ ist es, wenn  man wirklich ganz wahrheitsgemäß sagt: “Es geht mir nicht gut, weil ich gerade bei meinen Interessen für deine egoistischen Bedürfnisse unterbrochen wurde…” Dann ist es natürlich eine FRECHHEIT sowas zu behaupten. Aber Aspies sind ja unverschämt, mitunter. Hat man ja mal wo gelesen. Also hat man wieder ein Totschlagargument!

Ein egoistisches Bedürfnis ist für mich „Ich will, dass Du jetzt mit mir frühstückst!“

Obwohl man noch müde ist oder bereits schreibt und gar keinen Appetit hat. Wenn ich gerade schreibe ist es furchtbar für mich unterbrochen zu werden! Nicht mal Godzilla würde sich das trauen! Eher würde er einen großen Bogen um Tokio machen bevor er es zertrampelt, wenn ich ihn vorher hätte wissen lassen, dass ich da heute bin und schreibe! Weil ich nämlich dann, wenn man mich unhöflich und aggressiv  zwingt mein Schreiben zu unterbrechen, so wütend werden kann, dass selbst Godzilla lieber mit nem Strauß Blumen vorbekommt und sich für sein Getöse und Störenfriedverhalten entschuldigt, als diesen Zorn auf sich zu ziehen!

Mit anderen Worten und zurück zur Empathie: Kein echter  Aspie würde jemanden, dem es wirklich(!) schlecht geht alleine stehen lassen, jemand der gerade in Angst und Not und in wirklich Bedrohung ist. Aber nur, weil jemand anderem gerade langweilig ist und man dann mittels emotinaler Erpressung zu Aufmerksamkeit “gezwungen” werden soll, seinen Flow zu unterbrechen,  dafür hat man als logisch denkender Mensch natürlich kein Verständnis. Wohl dem der sich da erklären kann und auf Einsicht stößt! Allen anderen möge der Herr Nerven aus Drahtseilen zukommen lassen!

Zum Glück lebe ich jetzt in einem positiven und wohmeinenden Umfeld mit einem empathischen und verständnisvollen Mann an meiner Seite und dessen voller Unterstützung. Dem ist auch seine Ruhe heilig und er gönnt sie auch jedem anderen!

Auch meinen Freunden bin ich dankbar für die viele Nachsicht, das Entgegenkommen und die humorvolle Art mit der sie mir begegnen und Mut zusprechen! Niemand hält mich in meinem jetzigen Leben  mehr für „behindert“ oder „gestört“ oder „krank“  erinnert mich an alles, was ich nicht kann oder angeblich falsch mache. Nach wie vor bin ich  bei allem was nicht mit meinen Interessen unmittelbar zu tun hat sehr vergeßlich. Eher Alltagsdinge, zum Glück, als berufliches. Meine Gehirn spielt da regelmäßig nicht mit! 

Im Job wiederum kann ich mich unfassbar gut konzentrieren und habe alles auf dem Schirm. 

Das das so ist NERVT mich selbst am allermeisten.

Ich komme mir oft vor als hätte ich 2 Leben: Ein chaotisches Prvatleben und ein topstrukturiertes Berufsleben…

Aspie eben, sagt der Professor, der mir diese Diagnose verpasst hat… Nehmen wir es also  lieber mit Humor! 

Als „geistig“ behindert würde ich mich deswegen nicht bezeichnen wollen. Es reicht wenn jemand versteht, dass man in dem Punkt manchmal Nachsicht mit mir haben muss.  Und Freunde haben das. Ist ja nicht so, als könnten die selbst  kein Wässerchen trüben. Man sieht eben über Eigenarten und Schwächen  hinweg und konzentriert sich auf das GUTE!

Die Widrigkeiten des Lebens schmettern einen manchmal zu Boden und dann steht man wieder auf und läuft gemeinsam mit zunehmend  heiterer Gelassenheit weiter… 

Sogar Ämter und Behörden helfen und zeigen Verständnis. Wenn man es kommuniziert! 

Danke dafür!

Anja Gsottschneider

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