Man muss sich anpassen können?

ThinkAut

Als ich noch, als Teenie, in der Kleinstadt gelebt habe, hab ich mich völlig verrückt gefühlt und „zu anders“. „Man muss lernen sich anzupassen“ hieß es. „Das kann man lernen! Sonst eckt man überall nur an und hat Schwierigkeiten“, „Man muss nicht mit aller Gewalt anders sein…“, um „krampfhaft originell zu wirken“, „Wer sich nicht auch mal anpassen kann, wird scheitern…“, „Man muss lernen, sich unterzuordnen im Leben, wenn man voran kommen will“…

Und ähnliche Allgemeinplätze. Die eigentliche (seelische) Gewalt besteht doch im Angepasstsein, das ist die eigentliche Krampfhaftigkeit.

Kleingeistige Hinterwäldler aus früheren Zeiten haben immer schon die Neigung besessen anderen – und niemand hat sie je um diesen Rat gebeten – zu unterstellen „krampfhaft anders sein zu wollen“, „es nötig zu haben, ständig auf sich aufmerksam machen zu müssen“ und anderen niedrigfrequenter Irrwitz.

Alles Binsenweisheiten.
Heute bin ich froh, dass ich mich nicht angepasst, sondern zahllose Menschen kenne, die zwar weltweit vielleicht immer noch eine Minderheit sind (aber es gibt sie), die sich auch nie angepasst haben und immer mehr Menschen kennenlerne, geradezu magnetisch anziehe, die sich auch nicht „anpassen können“ und so zwischenmenschliche Begegnungen von einer ganz anderen Qualität möglich geworden sind.

Es öffnet Türen, anstatt sie zu schließen.

Diese Menschen kann man als alles bezeichnen, nur nicht als eines:
Gescheiterte Existenzen, „obwohl“ sie nicht alles so gemacht haben „wie man das so macht.“

Ihr sogenannter Erfolg zeigt sich aber nicht immer nur in internationaler Prominenz oder einer maklosen Vita ohne Höhen und Tiefen, sondern in dem unbezahlbaren Luxus freier zu sein als andere. Von Urteilen, Meinungen, Ansichten anderer. Das, was sie deswegen ausstrahlen, das nennt man Charisma und nicht „eine gescheiterte Existenz, die sich nicht unterordnen konnte“. Und wenn nicht jedes Projekt von durchschlagendem, dauerhaften Erfolg gekrönt war, so war auch das Teil eines Lernprozesses, von dem man weiter profitiert und bei dem man weiter wächst. Und nicht „der Beweis, dass die Kleinstadt doch recht hatte…“.

Nur weil mein Vater 50 Jahre einen Job gemacht hat, auf den er nie Lust hatte, der aber für eine gesichertes Existenz und sozales Ansehen als Arzt gesorgt hat, ist er kein „erfolgreicher“ Mensch, auch wenn das auf den ersten Blickt so wirkt. Er hat nicht mal verstanden, bis heute, dass er eine Seele besitzt, und viel früher hätte frei sein können… statt depressiv zu sein und das für eine unheilbare Krankheit zu halten.

Talentierten Menschen werden häufig – sogar in ihrem engsten Umfeld (Familie, Klassenkameraden, Nachbarn) – niedrigste Instinkte unterstellt, weil Menschen nicht den Unterschied zwischen raffendem und schaffendem Erfolg begreifen und das einfach mal so in einen Topf schmeißen.

„Don’t be hanging with no jank-ass jokers that don’t help you shine” – sagt Will Smith in einem Video, dass ich neulich geteilt habe.

Und während Kleinstadt-Geister am einen Tag die „Prominenz“ wildfremder Menschen bewundern und sich da gnadenlos anbiedern, verkennen sie im selben Moment das spirituelle Geheimnis einer solchen Entwicklung. Das erlebe ich immer wieder im Austausch mit Eltern autistischer, hochbegabter Kinder, die nicht fassen können, dass in ihrer eigenen Familie jemand ist, der irrsinniges Potential hat. Denen das vielleicht sogar unheimlich ist, die sich davon überfordert fühlen, Ängste auf das Kind projezieren ohne Ende…

Anpassung? Nein im Gegenteil, jedes Mal wenn man sich Bedenkenträgern „angepasst“ und deren Einfluss gestattet, ergeben sich daraus nur Nachteile, wie mir mal ein relativ bekannter Schauspieler, der oft für narzisstisch gehalten wird deswegen, bestätigt hat.
Dabei ist Narzissmus in erster Linie Empathie- und Skrupellosigkeit, aber nicht vermeintlich „der Fehler von unumstösslicher Selbsttreue.“

„Woher kennst Du immer solche Leute!?“ fragen einen die Leute aus der Kleinstadt. „Mir der lernt man irgendwie immer total verrückte Leute kennen“
„Warum triffst Du die!? Wie macht man sowas!? Gibt es da einen Trick!?“

Menschen lernt man nicht kennen indem man sich irgendwo anpasst oder unterordnet oder „die richtigen Leute kennt“, sondern genau das nicht tut. Man begibt sich in ein anderes morphogentisches Feld, man zieht sich gegenseitig magnetisch an und begegnet sich immer auf Augenhöhe – mitten in der Masse – indem man für einen Moment die Welt um einen herum wie eine ulkige Kulisse empfindet, in der die Zeit fast stehen bleibt, als würde man sich „erkennen“, obwohl man sich nie zuvor gesehen hat. Und man hat sich was zu sagen, fernab vom üblichen Blabla… Skurille Ansichten, Scherze, Gedanken, die Leute aus der Vergangenheit sogar „peinlich“ an einem fanden.

Genau diese „Peinlichkeit“ ist auf einmal deine Eintrittskarte in eine Welt von ganz anderen Begegnungen…

So läuft’s und nicht anders. Das Geheimnis ist: Es gibt keine Tricks und keine Strategie, alles ist im natürlichen Fluss. Man kann den durch Tricks und Strategien nur negativ beeinflussen, nicht positiv. Sie führen zu zwischenmenschlichen Resonanzkatastrophen, langfristig…

Welchem Club muss ich beitreten um „tolle Menschen“ kennenzulernen!?

Gar keinem! Gründe selbst einen und lade Deinesgleichen ein, indem Du nur eins – und das tatsächlich – bist: Du selbst!

Kein Dresscode, keine Betragsgebühren, kein Aufnahmeritual.
Clubhaus? Fünfte Dimension aufwärts.

Anja Gsottschneider

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