Es ist ein uraltes menschliches Phänomen, dass wir dazu neigen uns lauter über das Luft zu verschaffen, was uns ärgert, als Dingen in dem selben Ausmaß Ausdruck zu verleihen, die uns positiv überraschen. Ich schreibe daher sehr bewusst einen PRO-Text! #ellaschön #herzkino #asperger

(Leider konnte ich den Vergleich zu Ella Schön nur ziehen, indem ich ein paar sehr private Dinge von mir selbst berichte. Das ist für mich auch etwas eigenartig, aber ich habs jetzt einfach mal getan…)
Als die erste Folge von #EllaSchön im Herzkino im ZDF ausgestrahlt wurde, hab ich bis zum Sendetermin nichts über diese Serie gewusst. Meine Mutter rief mich, 5 min bevor es losging, an und teilte mir mit: „Du! Schalt mal auf ZDF! Da kommt irgendwas mit einer Frau, die auch Asperger ist… !“

In der Regel folge ich solchen Vorschlägen nicht, weil ich irgendwann in meinem Leben beschlossen habe, dass dieses Thema nicht mehr so viel Raum einnehmen soll. Ich fühlte mich in den Zeiten der Diagnosestellung und danach kaum noch als „Ich“, sondern als Patientin, Betroffene, Behandelte, wandelnde Diagnose usw. Die Diagnose war wichtig, denn nur wenn man Ursachen kennt, kann man auch Lösungen entwickeln. Als ich in vielen umgedacht hatte, wurde mir das Thema irgendwann zu viel und ich hab keine Sendungen, keine Bücher, keine Blogs über Autismus mehr beachtet.
Ich kenne auch die „autistische Szene“ nicht.

Ich hab mir Ella Schön dann doch angesehen und war sogleich positiv überrascht. Zuerst mal erkannte ich mich in dieser monotonen Art und Weise wieder in der Ella Schön sprach. Zu Schulzeiten gab es einige Mitschüler, die mich deswegen aufgezogen und nachgeäfft haben, weswegen ich mir das dann auch abgewöhnt habe. Ich spreche heute kaum noch so, es sei denn ich fühle mich gerade in der mich umgebenden Gesellschaft unwohl. Dann erstarren auch meine Gesichtszüge, mein Nacken verkrampft und ich blicke irritiert geradeaus. Da kann es bis heute passieren, dass ich auch mal gar nicht spreche.
Zurück zu Ella Schön. Viel interessanter jedoch als die einzelnen autistischen Attribute, die man der Figur Ella gegeben hat, finde ich das Zusammenspiel von Autistin und Nichtautisten in dieser Geschichte.

Hier hat der Drehbuch-Autor für mich ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl an den Tag gelegt, was die klassischen Missverständnisse und Reibungspunkte im alltäglichen Miteinander anbelangt, wenn hier zwei Welten aufeinandertreffen.

Ich beschreibe es mal so: Die einen, mit dem Betriebssystem „Asperger“ im Kopf stoßen auf die anderen, die sogenannten „Neurotypischen“ (ich persönlich mag das Wort ja nicht), die ihrerseits ebenfalls mit einem völlig anderen Betriebssystem operieren – so dass die Software für Asperger nicht auf NT läuft und die – uns so kryptisch erscheinenden – Algorithmen für NT auch nur mit Dechiffriercodes von Asperger gelesen werden können.

Bei Ella Schön gab es dazu zahlreiche Beispiele, die von einem sehr feinen Verständnis der Autoren für diesen Umstand zeugen! So zeigt sich doch recht deutlich, dass Ella keineswegs ein „Kühlschrank“ oder „unemotional“ ist, sie wirkt nur so. Das ist ein himmelweiter Unterschied!
Sie hat Empathie, sie zeigt sie nur ganz anders. Im Gegensatz zu einem – in der Tat unempathischen Narzissten – ist sie mit zwischenmenschlichen Dingen schlichtweg einfach überfordert und muss diese oft erst einmal für sich „sortieren“. Sie verarbeitet schwierige Situationen nicht mit emotionaler Aufgelöstheit und dramatischem Habitus, nein, sie „scannt“ die Lage und versucht notwendige Maßnahmen sogleich zu treffen, stets lösungsorientiert! Sollte sich ein befürchtetes Drama doch nicht als solches herausstellen, bleibt sie ruhig und verliert nicht voreilig die Fassung.

Doch am Ende unterstützt sie sogar ihre eigentliche „Rivalin“, kümmert sich um das Baby oder schreitet aktiv zur Tat, wenn es um Wahrheit und Gerechtigkeit geht! Ihr sind andere Menschen nicht gleichgültig.
Man muss bei der Geschichte bedenken, dass Ella gerade nicht nur den Tod ihres Mannes verschmerzen musste, sondern auch mit den Schock klarkommen muss, von diesem Menschen nach Strich und Faden belogen worden zu sein. Natürlich ist sie distanziert! Manch anderer wäre nicht nur „distanziert“, sondern voller Rachegedanken und unkontrollierter Wut!

Als sie, nachdem ihr das alles bewusst wurde, einfach nur geradeaus zum Wasser rennt, zeigt sie sehr schön, wie Autisten auf emotionale Überforderung reagieren. Auch ich renne dann häufig einfach wie ferngesteuert geradeaus und muss wirklich acht geben, nicht in ein Auto zu laufen. Rennen hilft, oder einfach Bewegung. Am besten immer geradeaus! Es ist erwiesen, dass das (klare) Denken durch Laufen wieder hergestellt wird! Wenn ich einfach los laufe, habe ich das Gefühl, dass der Stress weniger unerfreuliche Botenstoffe freisetzt und Kopf schneller wieder klar wird!

Es hat auch was für sich nicht allzu emotional zu sein. Vielleicht wird Emotionalität auch manchmal überbewertet. Man kann definitiv auch zu emotional sein und als Autist wird man häufig von so vielen Emotionen gleichzeitig überflutet, dass es durchaus zu einem Meltdown kommen kann oder eben zu einer Art „Sondermodus“ auf den man umschaltet, um nicht die Fassung zu verlieren!

Mir hat in dem Zusammenhang der Ton bei Ella Schön gefallen – immer wenn diese zwischenmenschlichen Begegnungen statt fanden, wurde das von einem leicht psychedelischen Ton untermalt – das fand ich hervorragend. Genauso geht es mir auch manchmal, für mich haben diese Situationen wirklich etwas psychedelisches – als ich noch nicht wusste, dass man das alles Asperger nennt usw. habe ich das oft wie eine Art Fiebertraum empfunden. Unwirklich, weit weg, seltsam, absurd, verstörend!

Ich hab mich im zweiten Teil stark an mich selbst erinnert gefühlt bei der Geschichte mit Jannis. Wie oft bin ich selbst aus einem Auto gesprungen und war einfach weg. Die üblichen Kennenlernrituale, Flirten, sich „anbaggern“ usw. waren mir stets ein absolutes Rätsel. Wenn ich mich mit jemandem getroffen habe, kam ich mir vor, als legte ich einfach immer die selbe Platte auf „Und dann bin ich nach Berlin gezogen, und dann hab ich studiert, und ja, die Stadt ist wirklich groß, wenn man so vom Dorf kommt, aber man gewöhnt sich dran und bleibt ja meistens auch in seinem Kiez…“

Ständig haben Freundinnen versucht mich zu beraten, wie ich mich mal kleiden, verhalten oder vorgehen soll. Diversen Männern bin ich sicher noch eine Erklärung schuldig, warum ich sie einfach so habe stehen lassen, wie ich das in der Vergangenheit getan habe. Aber auch ich habe Ablehnung erlebt. Vielen war ich zu „verkopft“ oder zu „unüblich“, sag ich mal.

Seitdem ich denken kann, wurde ich von Menschen, die mich allerdings kaum kannten, als „kühl“ bezeichnet. Zugleich erlebte ich immer wieder, dass Menschen mir sagten: „Ich hab Dich am Anfang ganz anders eingeschätzt!“ Wenn mir Menschen ihre Probleme schildern, dann war ich auch nie so in der Lage Worte des Bedauerns und der Anteilnahme zu formulieren, hab mir aber statt dessen Sofortmaßnahmen und nachhaltige Lösungen überlegt und Mithilfe bei der Umsetzung angeboten! (Nebenbemerkung: Ich hab dabei nur häufig nicht in Betracht gezogen, dass viele Menschen ihre Probleme überhaupt nicht los werden wollen! 😉

Ich begrüße mit welcher Leichtigkeit und mit wie viel feinem Sinn für Humor den Inselbewohnern und Ella gelingt sich einander anzunähern! Besonders gut gefiel mir daran, dass man auf plumpe Pointen und Schenkelklopfer verzichtete und sich die Komik eher aus den subtilen Missverständnissen und dem mitunter heiteren, nachsichtigen, gelassenen Miteinander ergab, dass ich für eine große Inspiration für das reale Leben halte.

Das ist nämlich Alltag und in den Sozialen Netzwerken keinesfalls genauso. Ich habe großes Glück mir inzwischen einen Freundeskreis zugelegt zu haben, wo ich diese Leichtigkeit im Miteinander auch erlebe! Das war nicht immer so und ich habe mich von vielen toxischen Menschen gelöst. Toxisch, das sind für mich die Menschen, die – im Gegensatz zu Ella – wirklich keinen Gerechtigkeitssinn, keine Empathie und keine Skrupel besitzen und die mit Methoden wie emotionaler Erpressung oder passiv aggressiven Mustern alles zwischenmenschliche unerfreulich bis energieraubend gestalten!

Ella hat diese Muster nicht. Sie eckt an, weil man sie zunächst falsch versteht, nicht weil sie anderen Menschen wirklich schadet oder schaden möchte!
Die direkte Art kann verletzend wirken, aber die Intention ist nicht Verletzung, anders als bei toxischen Mustern!
Ich kann übrigens somit auch keinen Grund finden, dass ich mich von einer Figur oder einem Format wie Ella Schön beleidigt oder diskriminiert fühlen sollte – da ich davon ausgehen kann, dass diese Intention gar nicht besteht.

Es ist irrational den Vorwurf einer Beleidigung zu sehen, wenn nie Absicht dazu bestand! Das führt zu einer unnötigen Stressreaktion und macht in der Folge nur Runzelfalten und miese Laune ohne Anlass!
Und selbst wenn man mich absichtlich beleidigen wollen würde, muss ich mich noch lange nicht beleidigt fühlen. Eine Beleidigung sagt meist mehr über denjenigen aus, der sie ausspricht, als über denjenigen den sie treffen soll!

Hier ein Beispiel aus dem Alltag. Ich habe es inzwischen kapiert: Wenn ich zu einigen Menschen sage „Ich habe keine Lust mitzukommen!“ – dann wirkt das auf diese kränkend und beleidigend. „Sie hat keine Lust, weil wir ihr nicht wichtig sind“. Ich hingegen denke mir: „Ich sage ehrlich, wie ich es empfinde, das bin ich ihnen schuldig, denn sie haben es nicht verdient angelogen zu werden mit einer billigen Ausrede Marke ‚Ich muss dringend arbeiten‘, den so eine Lüge bringt mehr Gift in unsere Freundschaft als der Umstand, dass ich an einem anderen Tag sicher wieder Lust zu einer Unternehmung habe, heute aber gerade mal nicht!“
Ich hab mir also im Laufe der Zeit angewöhnt, dazu zu sagen, dass mir ein anderer Tag und ein Treffen zu zweit lieber ist. Seitdem ich das ein für alle Mal geklärt habe, nimmt mir keiner mehr übel, wenn ich nicht zu einer Geburtstagsparty komme und ich nehme es keinem übel, wenn ich gar nicht erst eingeladen werde, sondern deute das als besonders rücksichtsvoll und dem Umstand geschuldet, dass man weiß wie ich bin! Ich werde ja trotzdem wieder angerufen. Statt dann mit Ohrstöpseln, einem Buch oder Computerspiel in der Ecke zu sitzen, wenn alle anderen laut durcheinander reden und Musik gespielt wird, die mir nicht gefällt, verbringe ich den Abend glücklich zuhause und treffe mich anderntags lieber zu zweit mit dem Geburtstagskind.

Ich hab die Angst verloren, die ich früher tatsächlich hatte, dass ich irgendwann völlig vereinsame, weil ich mich sozialen Aktivitäten entziehe; dass ich berufliche Probleme bekomme, wenn ich nicht mit allen Kollegen Kaffeeklatsch halte. Ich habe gelernt, dass man sich sehr viel Eigenwilligkeit erlauben kann, wenn man dazu selbstbewusst steht!
Die Vorwürfe, die Ella zu hören bekam, die kenne ich auch. Welcher Autist kennt sie nicht? Ich finde die Serie inspiriert dazu etwas gelassener damit umzugehen und sich nicht immer gleich so massiv angegriffen zu fühlen.

„Sie sind eine Zumutung, aber eine die uns gut tut“ – ist in meinen Augen überhaupt keine Kränkung, sondern ein sehr charmantes, ehrliches Kompliment. Mir ist jeder Mensch lieber, der mir ehrlich ins Gesicht sagt: „Manchmal nervst Du, aber Du machst die Sache wirklich gut“ – und mich dabei anlächelt. Dann sagt man eben zurück: „Ja, und Du bist manchmal ganz schön irrational, aber Du hast eben doch das Herz am rechten Fleck!“

„Du interessierst Dich wohl nicht für andere Menschen“ – das hat jeder Autist schon einmal zu hören bekommen. Wissend, dass diese Interpretation des eigenen Verhaltens, nur auf einem Missverständnis basiert, kann man versuchen das alles weniger persönlich zu nehmen, man kann gelassener, humorvoller reagieren!
„Na, hör mal! Wie kommst Du denn auf die lustige Idee? Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ich mich morgen um 17 Uhr 30 mehr für Dich interessiere als jetzt, denn jetzt schreibe ich gerade was! Einverstanden?“

Ich halte es auch nicht für zielführend sich jetzt mit zu großer Ernsthaftigkeit in den Gedanken zu verbeißen, mit dieser Serie würden Autisten nur noch mehr stigmatisiert und an den vermeintlichen Rand der Gesellschaft gedrängt. Ich sage: Das wird nicht passieren!
Ich sehe in Ella Schön eher Potential dafür, dass Menschen mal erkennen, dass ein „etwas anderer Mensch“ nicht zugleich böse, ein Feind oder eine Person mit fragwürdiger Agenda ist, sondern dass man sich allgemein mal etwas mehr Zeit lässt damit einen anderen Menschen kennenzulernen. Dass hinter einem ungewöhnlichen Verhalten keine Krankheit steckt, sondern einfach eine neue und ungewohnte Herangehensweise, dass man „Anderssein“ nicht rechtfertigen muss, sondern einfach leben kann. Dass wir keinen Angriff dort sehen, wo keiner ist!

Als Autistin ist es Stress für mich aus dem Haus zu gehen, wenn Leute einen ansprechen: „Lachen Sie doch mal! Was gucken Sie denn so?“ oder „Hey, beweg mal deinen Hintern, Du blöde hirnverbrannte S*******.“ Wenn ich aus Versehen jemandem im Weg stehe, weil ich irgendeinem Gedanken nachhänge. Nunja. In der Regel antworte ich darauf: „Das haben Sie aber sehr schön gesagt! Ihnen auch einen schönen Tag!“ – würde ich mich da jedes Mal aufregen, würde mich das zu viel Kraft kosten auf die Dauer!

Das gilt sowieso im Alltag – wenn ich heute auf Twitter gehen, dann sehe ich, dass da ein hochtoxisches Diskussionklima herrscht, bei dem es offenbar nur schwarz und weiß gibt. Wer eine andere Meinung hat als sie ein vermeintlicher Konsens vorschreibt, wird zum „Abschuss“ frei gegeben und hemmunglos beschimpft. Seinen Thesen folgen keine ergänzenden Fakten und weiterführende Quellen, sondern hochgradig aggressive persönlichen Anfeindungen, Vorwürfe, Vorhaltungen usw. „Wer anderer Meinung ist, muss sich dafür schuldig fühlen und gehört in die Ecke getextet“ – so scheint es fast. Ein Unding!

Der Umgang der Menschen auf Fischland zeigt, dass es auch anders geht. Man muss sich nicht jedes Mal so unfassbar im Ton vergreifen und Menschen, die anders wirken, im Mob niederkämmen!
In Ella Schön sehe eine Frau, die in den Zuschauerreaktionen als extrem positiv wahrgenommen wurde, die clever und kompetent ist und die das Herz am rechten Fleck hat! Vor allem aber eine Autistin, die auf Augenhöhe mit den nichtautistischen Inselbewohnern lebt, nicht ein „bedauernswertes Opfer“ der Gesellschaft!
Ich weiß nicht, was an dem Wesen von Ella Schön unrealistisch oder unautistisch gewesen sein soll. Ich hab diesen Vorwurf diverse Male gelesen und kann ihn beim allerbesten Willen überhaupt nicht nachvollziehen!

Vermutlich hat Martina Schmidt recht, wenn sie einwirft: Viele Autisten sind sich ihrer Außenwirkung gar nicht bewusst!
Ein Drehbuch kann gar nicht anders als sich gewisser Klischees zu bedienen, das liegt in der Natur der Sache und ist auch gar nicht schlimm. Wie hätten denn Autisten einen potentiellen Nicht-Autisten in einem Drehbuch so dargestellt, dass er sich augenscheinlich von den ihn umgebenden Autisten unterscheidet? Wäre das wirklich ausnahmslos schmeichelhaft geworden? Was wäre denn, wenn ein Nicht-Autist sich davon beleidigt gefühlt hätte, auch wenn das gar nicht beabsichtigt war? Was hätte man ihm denn dann gesagt: „Okay, dann schmeißen wir den Film aus dem Programm und wechseln den Beruf. Außerdem fühlen wir uns noch schuldig und schlecht, weil wir Euch das angetan haben?“

Man muss wirklich aufpassen mit dieser Schuld-Nummer! Ich kann niemandem, der das nicht wollte, ernsthaft die Schuld an meiner Misere geben und auch umgekehrt sollte man sich so einen Schuh nie so schnell anziehen, wenn er einem hingestellt wird.
Was wäre denn realistisch gewesen? Dass Ella Schön als alleinerziehende Mutter, arbeitslos, in den sozialen Netzwerken hängst, dort gemeinsam mit Menschen, die ausschließlich ihrer Meinung sind, Politiker, TV Sender und das Jobcenter als Verbündete des Teufels höchstselbst bloßstellt und ansonsten keine weitere Interessen lebt, weil „nicht jeder Autist muss ein Spezialinteresse haben“ – was neuerdings auch immer wieder im Netz behauptet wird. „Muss“ man auch gar nicht, aber es ist nun mal Teil der Asperger-Diagnostik und in diesem Kontext auch wichtig – denn dem Spezialinteresse widmet man sich so intensiv, dass man den Rest um sich herum mitunter völlig vergisst und vernachlässigt. Mit dem immensen Vorteil, dass man in wenigen Dingen überdurchschnittlich gut Bescheid weiß!

Ganz ehrlich, ich habe auf meine bisher veröffentlichten Texte auch alle möglichen Reaktionen von „Was ist das denn für ein bodenloser Mist, hör auf, Du kannst nichts, lass es bleiben“ bis hin zu „Das ist ja sowas von genial, ich flippe aus! usw… “ erfahren. Beide Extreme sind bis zu einem gewissen Grade sogar suspekt. Aber offen gestanden sind mir die negativen „Kritiken“ inzwischen auch zunehmend egal. Genau wie einem Lob nicht zu Kopf steigen muss, muss man sich nicht jeder Kritik auch stellen. Ich denke kein Maler hat je ein Bild „umgemalt“, nur weil einige „Kritiker“ laut darüber geschimpft haben. Bei aller Kritik muss für mich spürbar bleiben, dass der andere wirklich ein aufrichtiges Interesse dabei hat mir zu helfen mich zu verbessern, nicht mich bloßzustellen, zu diffamieren oder der Lächerlichkeit preis zu geben! Dann ist es nämlich keine Kritik, sondern einfach nur Gülle, die über einem ausgeschüttet wird.

Wenn mir jemand schreiben würde: „Du mit deinem grauenhaften Text, denn Du in niedrigster Absicht und ohne Rücksichtnahme auf irgendjemanden hier hemmungslos veröffentlich hast, sollst in Zukunft nur noch Dinge machen, die mir gefallen, oder ich walze Dich verbal mit meinen Rekruten nieder und beschwer mich allerorten, weil mein Leben wegen Dir nun die Hölle sein wird“ – dem würde ich auch direkt die Tür vor der Nase zu hauen. Da kann er zerplatzen und 100x schreien: „Du kannst keine Kritik vertragen“. Ja, und der kann keine Kritik an seiner Kritik aushalten, wie es scheint! Vorwürfe, Unterstellungen, Maßregelungen usw. erzeugen Widerstand, Opposition – immer und überall.

Dass die Hauptdarstellerin keine Autistin, sondern eine bekannte Komikerin ist, finde ich ebenfalls mehr als begrüßenswert – denn dann schalten auch besonders viele Leute ein, die so zufällig auf Asperger aufmerksam werden – anstatt die, die eh schon Bescheid wissen. Sind wir doch froh, dass eine Autistin auf einem Premiumsendeplatz gesendet wird und nicht in einer medizinischen Doku nach 23 Uhr auf irgendeinem Dritten.

Freuen wir uns doch einfach mal darüber, dass die Zuschauerreaktionen so positiv ausgefallen sind. Ich könnte die Bedenken einiger ja verstehen, wenn man auf FB Kommentare hatte lesen müssen wie „Da konnte man mal so richtig schön sehen, was für fürchterliche Menschen diese Autisten sind“ oder „Sehr gut, dass man endlich mal eine Autistin hier vorgeführt hat, damit alle Welt erkennt, was für unfähige Personen das sind!“ – Das Gegenteil war der Fall!
Und wenn Leute gelacht haben, dann nicht weil sie Ella so peinlich und albern fanden, sondern weil es sich aus der Situationskomik ergab! Weil auch Nicht-Autisten mit ihren Schwächen gezeigt wurden!
Wir haben alle wirklich genug reale Probleme und vielleicht auch wirklich irgendwo einen Feind. Entwickeln wir lieber Strategien, wie wir diese Unausgewogenheiten kreativ lösen und statt verbissen Feindbilder zu schaffen!

Ich denke, dass die Erkenntnis aus solchen Serien wie Ella Schön durchaus sein kann, dass Autisten und Nichtautisten sich perfekt ergänzen könnten! Denn eins steht fest: Autisten könnten Nichtautisten bei vielen Dingen helfen, die sie gar nicht können – und Nichtautisten können Autisten ebenfalls bei Dingen helfen, zu denen Autisten oft nicht in der Lage sind!
Insofern hat Ella Schön einen inspirierenden und ermutigenden Charakter und ich hab nichts gegen diese Serie einzuwenden.

Über die Folgen 3 und 4 werde ich kommende Woche, nach der Ausstrahlung, auch noch etwas schreiben.

Anja Gsottschneider

Dank an Dreamtool EntertainmentAnnette FrierJosef HeynertStefan Raiser und alle anderen…

Hier die Debatten auf Facebook dazu: https://www.facebook.com/VonAutistenFuerAutisten/posts/2003727446559249

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.